Berlin menschenleer

Berlin Tiergarten Brandenburger Tor mit Quadriga von hinten und leer
© Martina Miethig, Berlin während der Corona-Pandemie am menschenleeren Brandenburger Tor
© Martina Miethig, Berlin während der Corona-Pandemie am menschenleeren Brandenburger Tor

Es lebe der Luftkuss!

Stay Home – Zuhause bleiben. Gesund bleiben. Abstand halten. Flatten the curve. Social distancing. Weltweiter Reisestopp. Berlin ohne Touristen. Nur noch Luftküsse, thailändische Grußgesten und der »Wuhan Shake«: Grüßen mit Füßen! Ostern 2020 ohne Toilettenpapier. Ein Hauch von Kuba mit leeren Regalen und Schwarzmarkt, Notstandsverordnungen und Solidarität. Wer hätte das gedacht: Maskenpflicht beim Eintritt in die Bankfiliale! Mit Mundschutz in U-Bahn und Supermarkt. Home office mit Rückkopplung, oben hui (Schlips), unten pfui (Schlabberhose). Todeszahlen und Fake News, beides zunehmend. Apokalyptische Bilder aus Norditalien. Quarantäne und Soforthilfe. Under Tourism: Klares Wasser in Venedig, eine Wölfin in Berlin, Seekühe in Thailands Gewässern. Verwaiste Pyramiden, menschenleerer Times Square, stilles Angkor. Amazon-Aktien im Höhenflug. Lufthansa am Boden. Multimilliardäre mit Förderanträgen. Plexiglasscheiben zwischen Badelaken? Grippe versus Covid-19. Glück gehabt! Krankschreibung per Telefon. Lockdown oder Shutdown. Wettlauf der Verschwörungsmythen. Lauter Irre mit (w)irren Ideen: Desinfektionsmittel schlucken, Aluhüte und Mikrochip-Implantate. Lauter hoffnungsvolle Ideen für eine Zukunft »danach«: ein Impfschutz, weniger Billigflüge und Kreuzfahrten, besseres Klima? Lauter Unworte: Geisterspiele, Triage und Hygiene-Demo, Nies-Etikette bei der Corona-Party.

Corona: Ein Virus lässt die Zeit stillstehen. Schlechte Zeiten für Auslandsreporter und Reisejournalisten. Aber: Berlin ist auch schön. Auch wenn es in Berlin glücklicherweise keinen echten »Lockdown« gegeben hat (wie in Italien und Spanien), habe ich meine „geschlossene“ Heimatstadt noch nie so verwaist erlebt. Ein menschenleeres Berlin-Mitte, ohne 13 Mio. Touristen, und ein Rembrandt für mich ganz allein. Sehenswürdigkeiten wirklich sehen.

© Martina Miethig, Gedächtniskirche mit Corona-Durchalte-Spruch: Es lebe der Luftkuss

Berlin macht sich locker. Nach acht Wochen öffnen die Museen wieder, die Restaurants folgen, eine Woche später auch die Hotels. Berlin ist wieder offen. Die Fußballer spielen Geister, und die Wiesen sind voll. Die Grenzen öffnen sich. Wenn das mal gutgeht. . .

Apropos, hier geht´s zum ADAC-Reiseführer Berlin. . .

© Martina Miethig, leere Treppe zum S-Bahnhof Friedrichstraße – Corona-Pandemie 2020